Musikpreis - Luna Blanca - Richard Hecks und seine Nouveau Flamenco Band

Luna Blanca
Richard Hecks and His
Nouveau Flamenco Band
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Musikpreis



Na, dann holen wir mal den Preis für das beste World Album in New Orleans…

Ein etwas anderer Reisebericht von Uwe Gronau

Die Landung war natürlich mal wieder das Grauen, und auch die sonore, an die Gebrüder Grimm erinnernde Märchenonkel-Stimme des Piloten konnte unsere Gefühlslage nicht wirklich wesentlich korrigieren. Ein kurzer Blick aus dem Fenster gab auf grausam ehrliche weise Aufschluss über unsere Situation, und die war - um es deutlich auf den Punkt zu bringen - mehr als beschissen. Vaters Rosenkranz, von meiner Mutter bei der Abreise noch hastig neben Kaugummiresten in die Jackentasche gestopft, entpuppte sich als abgenagter, ehemaliger Lattenzaun, den es galt mittels kunstvoller Drehungen wieder in Form zu beten. Ob mir das gelingen würde?

Ein monotoner Ton gibt das Zeichen zum sofortigen Anschnallen. Die Kür der Stewardessen, schon seit zwei Stunden damit beschäftigt heftiger Turbulenzen zum Trotz Getränke an den Mann zu bringen, erfährt nunmehr ein jähes Ende. Adrenalin wabert durch den Flugkörper, Angstschweiß kriecht durch die Toilettentür, an den Duft der sogenannten Stehklos französischer Campingplätze erinnernd. Ach würde sich doch noch einmal die väterliche Stimme des Piloten melden, der noch vor zehn Minuten von unwesentlichen Seitenwinden sprach, der bereits guten Aufenthalt wünschte und ein herzliches "Beehren Sie uns bald wieder". Der Mann klang so unverschämt sicher und bodenständig, so als befänden wir uns alle auf einem Betriebsgartenfest und nicht im Bauch einer 747 der American Airlines .......

Vielflieger bleiben cool, verziehen zumeist keine Miene wenn der Pilot zwecks Landung das Fahrwerk ausfährt. Mir persönlich - und ich habe dieses Phänomen bis heute nicht abstellen können - lässt dieses grausame Geräusch die Nackenhaare hochschnellen, die Hände sind urplötzlich nass und klebrig wie Zuckerwasser und die in diesem Moment völlig deplatzierte Frage der Sitznachbarin nach Urlaubsort und Hotel wird ignoriert oder mit einem bellenden "Fresse!" beantwortet.

Sie halten das für übertrieben? Ich kann nichts dafür, und sie mögen ja durchaus Recht haben, es ist aber nun mal so wie es ist! Jede andere Mutprobe käme mir gelegen, und ich würde den Spaziergang einer Vogelspinne über meine Oberschenkel als niedliches Spielchen akzeptieren, könnte ich doch dem Geräusch der Landeklappen und des Fahrwerks entkommen. Aber die Realität ist grausam, warum war ich denn auch so blöd, diesem Selbstmordkommando (in korrektem Hochdeutsch nennt man es, glaub ich, "Flugreise") zuzustimmen. Weisheiten, wie etwa der Satz "Wer sich im Gefahr begibt, kommt darin um" schießen mir durch den Kopf, und ich sehe meine Freunde vor mir, wie sie in geselliger Runde ein paar Bierchen kippen und kopfschüttelnd konstatieren "der Gronau musste ja wieder fliegen, der Beinahe-Absturz vom letzten Jahr hat ihm wohl nicht gereicht ... Selbst Schuld! "

Die 747 befindet sich nunmehr im Landeabflug. Irgendeine wahnwitzige Stewardesse hat in der möglichen Stunde unseres Ablebens Musik von Stimmungskanone Tony Marshall aufgelegt. "Heute hauen wir auf die Pauke, ja wir machen durch bis morgen früh" heißt es da. Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Mit Tony Marshall in die Ewigkeit .... mir wird schlecht bei der Vorstellung. Ein paar Reihen vor mir werden die letzten zollfreien Whiskeyflaschen verkauft, und diverse Gerüche aus irgendwelchen Flakons wehen vorbei. Ich verspüre große Lust Tony Marshall den Hals umzudrehen. Warum hat das eigentlich bis heute niemand getan? Ich verspreche als Dank für eine geglückte Landung das persönlich zu übernehmen. Dieses Angebot ist eigentlich kaum zu toppen. - Kurz darauf setzt unser Flugzeug sanft auf wie eine Feder ......
Richy und ich bekamen die freudige Botschaft etwa Mitte Januar diesen Jahres. Beide waren wir nominiert für den Music Award 2012 in New Orleans und dies in unterschiedlichen Kategorien. Für Richy ging es sogar um zwei Gewinnchancen. Seine spanisch geprägte Instrumentalmusik war zum einen nominiert in der Sparte "Best Instrumental Album - Acoustic" sowie in der Rubrik "Best World Album". Ich wiederum war eingeladen und konnte mitzittern bei den sogenannten "Best Vocal Alben", war also tatsächlich unter die letzten fünf geraten, ein Umstand, der mich zunächst fassungslos den Kopf schütteln, dann aber zunehmend in glückliche Vorfreude wechseln ließ. Uns beiden war klar, dass bereits die Nominierung einen großen Erfolg darstellte, so gesehen konnten wir eigentlich gar nichts verlieren, sondern waren bereits im Vorfeld die absoluten Überraschungskünstler aus Deutschland. Dass ich zudem in der Sparte Gesang so gut abgeschnitten hatte, freute mich um so mehr, hatten mir doch erst vor kurzem zwei Freunde "den dringenden Rat erteilt" umgehend mit der Singerei aufzuhören, da anzunehmen sei, dass lediglich Katzen und Kater an meiner Sangeskunst Gefallen finden würden! Ich konnte, und das gebe ich hier gerne zu, nicht umhin, jenen "Freunden" von meiner Nominierung mitzuteilen, ich habe danach nie wieder etwas von ihnen gehört. Ein Schalk, der Böses dabei denkt ...... ...

Einen großen Anteil am Erfolg hatte Produzent und Freund Clemens Paskert, der federführend und mit sehr viel Feingefühl das Luna Blanca Album zu dem gemacht hatte, was es schließlich war: Ein Spitzenprodukt, welches sich weltweit mit anderen Alben dieser Musikrichtung messen kann. Aber auch unsere Zusammenarbeit, stets als wohltuend empfunden, trug nun endlich Früchte und so konnte man konstatieren, dass so manche außergewöhnliche Idee, die ins "Time Rider" - Album eingeflossen war, der Uwe Gronau Musik den letzten Pfiff und Schliff verabreicht hatte. Die genaue Kenntnis der technischen Gegebenheiten im Studio, aber auch eine besondere Sensibilität und Empathie für die Sache haben Clemens Paskert zu einem herausragenden Produzenten werden lassen, was an dieser Stelle unbedingt einmal gesagt werden muss. Danke, Clemens! Unter all den "verrückten Kerlen", wie du deine Mitmenschen mitunter gerne zu bezeichnen pflegst, bist du zweifelsohne der Verrückteste - natürlich im positiven Sinne!

Richy machte sich umgehend an die Reiseplanung. New Orleans und wieder zurück. Das alleine wäre jedoch nicht spektakulär genug gewesen. Was also, wenn man der Nominierungsveranstaltung in New Orleans noch ein Sahnehäubchen aufsetzen würde? Gesagt. Getan. "Wir fliegen nach der Preisverleihung noch zum bräunen in die Karibik", schoss es geradezu jubilierend aus Richard heraus, der jedoch zunächst einmal Ehefrau Gudrun, ihres Zeichens Home, Sweet Home-Verfechterin und nach eigener Aussage "Schissbuchse Hoch 10" in puncto Fliegerei überzeugen musste, Autogrammkarten nicht etwa in Bocholt, sondern auf den Bahamas zu schreiben. Als schließlich auch noch Antje, Weggefährtin des "Katzensängers" und für Neues stets aufgeschlossen, zusagte, konnte es losgehen.

Gerechnet hatte man allerdings nicht mit Richards Hang zum Abenteuer, was beim Buchen der Reise nicht gerade unerheblich ins Gewicht schlagen sollte. Doch dazu später!

Der Flug von Düsseldorf nach Chicago wurde von allen Reiseteilnehmern gut verkraftet, die Rennerei auf einem der größten Flughäfen Amerikas indes weniger. Dazu kam die amerikanische "Gründlichkeit" bei der Einreise ins Land. Der individuellen Körperkontrolle mit Scanner und Fragenkatalog folgte die Schnüffelei von Rauschgifthunden, deren kulinarisch getrimmte Nase aber merkwürdigerweise auch nicht vor Mettwürsten und Salami Halt machte, was zu manchem Ärger, aber auch zu mancher Schmunzelei führte, etwa wenn Koksköter "Brown Sugar" einmal mehr Alarm schlug, der Fehlalarm jedoch prompt durch ein angebissenes Wurstbrötchen im Gepäck als solcher bewiesen werden konnte.

New Orleans ist eine wunderbare Stadt, und wir hatten den Aufenthalt sicherlich zu kurz geplant, was sich jedoch mehr als gewöhnungsbedürftig entpuppte, war die Tatsache, dass sämtliche Hotels ausnahmslos über Klimaanlagen verfügten, ein Umstand, der bei manchem Europäer zu Halsschmerzen und grippeartigen Reaktionen führte. Während einer einführenden Vorabendparty mit Nudeln und Nudisten (manches Dekokte eröffnete freie Sicht zum Bauchnabel, von wegen prüde, die Amerikaner ....) tauschte man sich aus und steigerte mittels intensiver Fachgespräche die Spannung und die Vorfreude auf den folgenden Abend, an dem dann endlich die Preisverleihung stattfinden sollte.

Renee Blanche, eine dunkelhäutige und überaus  sympathische Amerikanerin in gelben High-Heels führte am nächsten Tag -  vorausgesetzt man hatte die Nacht trotz eiskühlender Klimaanlagen  überlebt - gekonnt durch das Programm und verlieh dem Abend nicht nur  durch grandiosen Sachverstand, sondern auch durch manch philosophisch  anmutende Bemerkung eine zauberhafte Note! Vorjahressieger sorgten für  Musikbeiträge, zögerten den Abend allerdings unnötig und  gewöhnungsbedürftig in die Länge.

Sowohl "Best Acoustic Album"  als auch "Best Vocal Album" konnten nicht von uns gewonnen werden, es  blieb allerdings ein schaler Nachgeschmack angesichts der  "Siegerstimme", aber diesbezüglich hat man sich zusammenzureißen und das  Urteil zu akzeptieren.

Richy und Gudrun waren angesichts der  Ergebnisse bereits mit dem Ankleiden und dem bevorstehenden Nachhauseweg  beschäftigt, als es plötzlich und völlig unerwartet hieß: "Der Preis  für das beste "World Album" geht nach Deutschland und an die Gruppe  "Luna Blanca".

Ein sichtlich bewegter Richard Hecks bahnte sich  nunmehr ungläubig seinen Weg durch das Publikum, unterstützt durch  frenetisches Gejohle. "Bocholter in aller Welt" fuhr es mir in  Sekundenbruchteilen durch den Kopf, und in der Tat, bis heute sind diese  Phänomene unerreicht und mit keiner anderen Stadt in Deutschland  vergleichbar. Unglaublich aber wahr! Richy hatte sich für den Fall der  Fälle eine kurze Rede zusammen gebastelt, die er nunmehr mit sparsamen  Worten und gekonnt zu intonieren begann. Am Ende brauste noch einmal  begeisterter Beifall auf, beklatschte man auch die von Richard  aufgeführten Personen, allen voran Gundy sowie den bereits erwähnten  Clemens, Menschen, ohne die das gesamte Projekt niemals hätte zu diesem  großen Erfolg geführt werden können. Ein extra eingesetzter Kleinbus  brachte dann die erschöpften aber glücklichen Protagonisten zurück ins  Hotel, wo man vor dem Weiterflug nach Atlanta noch um ein paar Stunden  Schlaf bemüht war. Was für ein Tag!

Nach Atlanta und von dort aus  Richtung Nassau/Bahamas war die Welt noch in Ordnung. Doch dann  .......... dann erwartete uns noch Richys "Spezialflug" von Nassau nach  Long Island....

.....in einer - so schien es mir - ausgedienten  Piper, die soeben über vier Plätze (& Pilot) verfügte und rein  äußerlich an Filmszenen aus "Quax, der Bruchpilot" erinnerte. Richys  "Indiana Jones" Outfit an der Wand seines Arbeitszimmers hätte mich  zudem stutzig werden lassen müssen....... Man stelle sich vor, dass sich  die Beifahrertür zunächst nicht schließen ließ, sondern erst der  "Fahrtwind" beim Beschleunigen des museal anmutenden Flugkörpers für den  richtigen Druck sorgte, den der Herr Pilot (der Name des Mannes ist mir  entfallen) dann ausnutzte, um die mit Kaugummi abgedichtete Fenstertür  zum Einschnappen zu bewegen. Richy ließ das alles ohne Klagen über sich  ergehen, was wir, das ganze aus dem hinteren Teil des Flugzeuges  beobachtend, bewundernd zur Kenntnis nahmen. Irgendwie brachte der Pilot  die Maschine schließlich in die Luft, nachdem er die volle Länge der  Startbahn ausgenutzt und wir schon nicht mehr an ein Abheben geglaubt  hatten.

Wackelnd und als ein Spielball der Turbulenzen eierten  wir nunmehr durch die Lüfte und mussten erleben, wie die Maschine  kurzfristig nach Osten abkippte, nachdem der Pilot Richy die momentane  Flugposition auf einer Karte zeigen wollte, er aber durch diesen Umstand  für einen Moment das Steuer nicht mehr wieder finden konnte. Jeder von  uns hatte in diesem Moment mit dem Leben abgeschlossen und war Minuten  danach angenehm überrascht, sich immer noch in der Luft zu wähnen.

Schließlich  landeten wir, nervlich arg strapaziert, aber glücklich, auf Long  Island, wo man uns, die Koffer und natürlich die Auszeichnung in einen  völlig zugestaubten Jeep ähnlichen Wagen stopfte, der uns durch  Schlaglöcher und Meter großen Pfützen ins "Cape María" fuhr.

So  machten wir vier schließlich Bekanntschaft mit dem weltlichen Paradies,  genannt "Long Island" auf den Bahamas, wo wir zwei wunderschöne  Ferienwochen erlebten. Doch darüber zu erzählen ist eine weitere  Geschichte.

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